Der Ferienhausmarkt in Krisenzeiten: Beständigkeit und Wiederaufschwung

Die Ausbreitung des Coronavirus (SARS-CoV-2 / COVID-19) ist nun nicht die erste globale Gesundheitskrise, der wir gegenüberstehen, aber sicherlich eine Krise, deren Ausmaß wir noch nicht umfassend einschätzen können. Insbesondere der Tourismussektor, zu dem der Ferienhausmarkt gehört, leidet unter der gegenwärtigen Situation. Isolation, Grenzschließungen und internationale Reiseverbote bedeuten für uns alle schwierige Zeiten. Solidarität und gegenseitige Rücksichtnahme sind jetzt von größter Wichtigkeit.

Nachdem wir uns unsere eigenen Daten angesehen haben, hielten wir es für ebenso wichtig, Ihnen in dieser schwierigen Zeit Fakten an die Hand zu geben, die vielleicht überraschend sein mögen und dennoch sicherlich optimistisch stimmen sollten. Obwohl momentan die Stornierungszahlen hoch sind und die Stimmung getrübt, schlagen jüngere Generationen eine Vorteil aus günstigen Flügen, um kommende Urlaube zu planen und es gibt jeglichen Grund zur Annahme, dass der markt nach der Krise schnell wieder auf die Beine kommen wird.

Beständigkeit: Ja, einige Menschen planen immer noch Urlaube

Auch wenn für die nächsten Wochen, in manchen Fällen auch Monate, geplante Reisen in großem Stil storniert werden, sind manche Urlauber schon dabei ihre nächste Reise zu organisieren. Ob wegen der zusätzlichen Zeit, den rabattierten Flugpreisen oder dem Drang, gerade irgendwo anders (egal wo) zu sein als in ihrem abgeriegelten Zuhause – die Gedanken einiger Reisefreudigen drehen sich um die Urlaubsplanung.

Einige besondere Trends:

– Insbesondere die Generation der Millennials hat die Chance erkannt, aus extrem günstigen Flügen Nutzen zu ziehen.

– Mehr Urlaube werden ohne größere Vorlaufzeit geplant. Statt 30 oder 60 Tage vor Reisebeginn zu buchen, werden Reservierungen nur einige Tage im Voraus gemacht.

– Vor allem für Reisen, die in den nächsten Monaten geplant sind, werden Ziele beliebter, die mit dem Auto erreicht werden können, statt auf das Flugzeug angewiesen zu sein. Dies liegt wohl an Reiseverboten und auch daran, dass in manchen Staaten Reisen im Inland, auch wenn von diesen zwar abgeraten wird, genau genommen nicht verboten sind.

– Reiseziele in küstennahen und ländlichen Gebieten sind stärker gefragt als städtische Ziele. Dies liegt sowohl in der gesteigerten Angst begründet, sich in dichter besiedelten Gebieten anzustecken, als auch in dem Drang sich der Beengtheit der Isolation zu entziehen und in die Natur zu flüchten

Internationale Suchanfragen von der Suchmaschine für Ferienhäuser Holidu nach europäischen Reisezielen, gemessen am 18. März 2020.

Deutschland, wo das Reisen kulturell tief verankert ist, zeigt sogar eine hohe Nachfrage nach Urlaubszielen, insbesondere nach inländischen:

Links: deutsche Suchanfragen nach inländischen Reisezielen (grün) im Vergleich mit Reisezielen im Ausland (blau). Der starke Anstieg verläuft während der bisher schlimmsten Woche seit Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland (13. – 20. März).
Rechts: Heatmap-Karte der inländischen Ziele in Suchanfragen.

Wiederaufschwung: Rasanter Anstieg nach dem Einbruch

„Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus unseren Daten ist, dass die Menschen, die erst seit wenigen Tagen abgeschottet sind, schon jetzt darauf brennen, zu reisen. Sobald also die Reiseverbote aufgehoben werden und sich die Dinge ein wenig beruhigen, können wir mit einem enormen Anstieg rechnen.”

(Ellen, Datenanalystin bei Bookiply)

Eines vorweg, trotz dieses Suchverhaltens erlebt die Tourismusbranche gerade einen massiven Rückgang. Dennoch gibt es guten Grund zur Annahme, dass der Markt – im Speziellen für Ferienhäuser – sich erholen und sogar stärker daraus hervorgehen wird.

Anzahl internationaler Touristenankünfte von 1996 bis 2018 (in Millionen). Man beachte die beiden Erholungsphasen nach den Krisen 2001 und 2008.  (Statista, 18.03.2020)

1. Tourismus bleibt auch weiterhin ein Megatrend

Ein Megatrend ist ein Trend, welcher über mehrere Jahrzehnte hinweg besteht und alle Lebensbereiche in hohem Maße beeinflusst. Der obige Graph zeigt wie stark sich die Touristenzahlen über die vergangenen 25 Jahre entwickelt haben und zwischen 1996 und 2018 um knapp 1 Milliarde gestiegen sind. Mit der Globalisation im Rücken, ist kein Einschnitt in diesem Trend abzusehen, was bedeutet, dass die Zahl der Touristen wahrscheinlich weiterhin ansteigen wird, nachdem die Krise überwunden ist.

2. Lehre aus der Geschichte: Erst Sturzflug, dann schnelle Erholung

Katastrophen wie der 11. September 2001 und die globale Finanzkrise 2008 führten ebenso zu krassen Einbrüchen in der Nachfrage und schweren Rückschlägen in der Reisebranche (siehe Abbildung). Manche Urlauber hatten Angst zu fliegen, während andere im Zuge der Krise nicht die finanziellen Mittel hatten, um so oft oder so weit zu fliegen wie ihnen lieb war. Trotzdem bestätigen die Zahlen, was wir uns alle für die Zeit nach der Krise erhoffen und erwarten: einen kräftigen und schnellen Aufschwung. Was könnten die Leute am Ende mehr wollen, als nach harten Zeiten eine Auszeit zu nehmen?

3. Ferienunterkünfte in vorteilhafter Position

Ferienunterkünfte sind weit krisenresistenter als anderen Unterkunftsarten wie Hotels, Motels, B&Bs oder Kreuzfahrtschiffe. Deshalb sind sie von der momentanen Pandemie am wenigsten betroffen und am besten gewappnet.

Es gibt mehrere Gründe für ihren Vorteil in dieser Krise. Zum einen gibt es aufgrund der persönlichen und privateren Atmosphäre eines Ferienhauses weniger Kontaktpunkte mit anderen Menschen. Statt mit hunderten anderen Bewohnern in einem Hotel zu sein, wohnen Gäste dort mit ihrer engsten Familie, mit Freunden oder dem Partner. Dies bringt klare Vorteile für die Zeit während und nach einem ansteckenden Virus.

Zum anderen befinden sich Ferienhäuser oft in abgeschiedenen und eher ländlichen Gebieten. Daher profitieren sie von dem Suchtrend namens “urban escape”, zu deutsch etwa “Stadtflucht”, bei dem Urlauber aus den Städten und vor dem Virus in eher offene und idyllische Gefilde flüchten möchten.

Darüber hinaus ist der Markt für Mietunterkünfte ein weitestgehend lokaler Markt, dies heißt, dass es keine dominierenden internationalen Ketten gibt, deren Zusammenbruch sich negativ auf die kleineren Bereiche des Marktes auswirken würde. Die lokalen Märkte die am stärksten leiden, korrelieren mit den Regionen, wo es die meisten COVID-19 Ausbrüche gibt.


COVID-19 wird weiterhin die globalisierte Welt herausfordern – niemand von uns wird unbetroffen bleiben. Doch wenn man sich unsere Daten und die Lehren aus den vergangenen Krisen ansieht, besteht Grund zur Hoffnung auf eine noch stärkere Zukunft. Der Tourismus und insbesondere die Ferienvermietungsindustrie werden sich erholen und florieren.